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Grundlagen · EN 1090

EN 1090: Der vollständige Leitfaden für Metallbau-Unternehmen 2025

12 Min. LesezeitStand 2026-09StahlNorm Team
Kurz gesagt
EN 1090-1 regelt als harmonisierte Norm die Konformitätsbewertung tragender Bauteile aus Stahl und Aluminium, EN 1090-2 und EN 1090-3 die technischen Anforderungen an ihre Ausführung. Seit dem 1. Juli 2014 brauchen solche Bauteile, die in der EU in Verkehr gebracht werden, eine CE-Kennzeichnung mit Leistungserklärung — auf Grundlage einer zertifizierten werkseigenen Produktionskontrolle.

Was ist EN 1090? Die wichtigste Norm für Metallbau-Unternehmen

EN 1090 ist die europaweit harmonisierte Norm für die Herstellung und Konformitätsbewertung von Stahl- und Aluminiumbauteilen. Seit dem 1. Juli 2014 ist die CE-Kennzeichnung nach EN 1090 verpflichtend für alle tragenden Bauteile aus Stahl und Aluminium, die in der EU in Verkehr gebracht werden.

Für Metallbau-Unternehmen bedeutet das: Ohne EN 1090-Zertifizierung dürfen Sie keine tragenden Stahlkonstruktionen mehr verkaufen oder montieren.

In diesem Leitfaden erfahren Sie:

  • ✅ Welche Anforderungen die EN 1090 an Ihr Unternehmen stellt
  • ✅ Wie der Zertifizierungsprozess abläuft
  • ✅ Welche Dokumentation Sie benötigen
  • ✅ Wie digitale Tools den Compliance-Prozess vereinfachen

Die EN 1090 Normen-Familie im Überblick

Die EN 1090 besteht aus drei Hauptteilen:

EN 1090-1: Konformitätsnachweise

DIN EN 1090-1:2009+A1:2011 regelt die Konformitätsbewertung von tragenden Bauteilen. Sie definiert:

  • Werkseigene Produktionskontrolle (WPK): Qualitätsmanagementsystem im Betrieb
  • CE-Kennzeichnung: Voraussetzungen und Prozess
  • Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP): Pflichtdokument für jedes Bauprodukt
  • Zertifizierung durch notifizierte Stelle: Überwachung der Produktionskontrolle

Wichtig: Die EN 1090-1 ist für alle Metallbauer relevant, unabhängig von der Größe oder Ausführungsklasse.

EN 1090-2: Technische Anforderungen für Stahlbau

DIN EN 1090-2:2018+A1:2024 beschreibt die technischen Anforderungen für tragende Stahlkonstruktionen:

  • Schweißen (Verfahren, Qualifikationen, Prüfung)
  • Mechanische Verbindungen (Schrauben, Nieten)
  • Vorbereitung und Montage
  • Maßtoleranzen nach ISO 13920
  • Oberflächenschutz nach ISO 12944

Sie definiert außerdem die vier Ausführungsklassen (Execution Classes):

AusführungsklasseTypische AnwendungAnforderungen
EXC 1Einfache Bauteile ohne statische RelevanzNiedrig
EXC 2Standard-Stahlbau (Hallen, Träger)Mittel
EXC 3Anspruchsvolle Konstruktionen (Brücken, Hochhäuser)Hoch
EXC 4Extreme Anforderungen (Sonderbauwerke)Sehr hoch

Die Ausführungsklasse bestimmt den Umfang der Schweißerqualifikation, Prüfung und Dokumentation.

EN 1090-3: Technische Anforderungen für Aluminiumbau

DIN EN 1090-3:2019 regelt die technischen Anforderungen für tragende Aluminiumkonstruktionen (z.B. Fassaden, Wintergärten).

Die Struktur ist ähnlich zu EN 1090-2, berücksichtigt aber die Besonderheiten von Aluminium beim Schweißen und der Oberflächenbehandlung.


Wer braucht eine EN 1090 Zertifizierung?

Zertifizierungspflicht besteht für:

✅ Metallbau-Betriebe, die tragende Stahlkonstruktionen herstellen ✅ Stahlbauer für Hallen, Träger, Stützen ✅ Fassadenbauer bei tragenden Aluminium-Elementen ✅ Schlossereien, die tragende Bauteile schweißen ✅ Behälterbauer (wenn Bauprodukte nach EN 1090) ✅ Kranbauer für tragende Stahlstrukturen

Keine Zertifizierung erforderlich für:

❌ Nicht-tragende Bauteile (z.B. Geländer, Zäune, Gitter) ❌ Maschinen und Anlagen (fallen unter Maschinenrichtlinie) ❌ Reparaturen und Instandsetzung (keine Inverkehrbringung) ❌ Reine Montagebetriebe (nur Installation, keine Herstellung)

Grauzone: Viele Bauteile können je nach Verwendung tragend oder nicht-tragend sein. Im Zweifelsfall empfiehlt sich die Rücksprache mit einer notifizierten Stelle.


Der Weg zur EN 1090 Zertifizierung: 7 Schritte

Schritt 1: Analyse & Gap-Assessment

Prüfen Sie, welche Anforderungen Ihr Betrieb bereits erfüllt:

  • Existiert ein Qualitätsmanagementsystem (ISO 9001)?
  • Sind Schweißer nach ISO 9606-1 qualifiziert?
  • Gibt es dokumentierte Schweißanweisungen (WPS)?
  • Ist eine Schweißaufsichtsperson nach ISO 14731 vorhanden?

Schritt 2: Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) einführen

Die WPK ist das Herzstück der EN 1090-1. Sie umfasst:

Dokumentation:

  • Verfahrensanweisungen für alle Produktionsschritte
  • Schweißanweisungen (WPS) nach ISO 15609
  • Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1
  • Prüfanweisungen (NDT-Planung)
  • Materialzertifikate (EN 10204)

Personelle Anforderungen:

  • Schweißaufsichtsperson (IWS, IWT, IWE je nach EXC)
  • Qualifizierte Schweißer mit gültigen Prüfungen
  • Geschultes Personal für Prüfverfahren

Technische Ausstattung:

  • Kalibrierte Prüfmittel
  • Geeignete Schweißausrüstung
  • Lagerung für Schweißzusätze (trocken, temperiert)

Schritt 3: Notifizierte Stelle auswählen

Notifizierte Stellen in Deutschland (Auswahl):

  • TÜV SÜD, TÜV Nord, TÜV Rheinland
  • SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalten)
  • DEKRA, DQS
  • ETA-Cert

Die Kosten variieren je nach Betriebsgröße: 2.000€ - 8.000€ für die Erstzertifizierung.

Schritt 4: Erstaudit durchführen

Das Audit umfasst:

  • Dokumentenprüfung: WPK-Handbuch, WPS, Schweißerqualifikationen
  • Betriebsbegehung: Produktion, Lagerung, Prüfmittel
  • Mitarbeiterinterviews: Kenntnisstand zur WPK
  • Produktprüfung: Stichproben von Bauteilen

Typische Mängel beim Erstaudit:

  • Fehlende oder veraltete Schweißerprüfungen
  • Unvollständige Schweißanweisungen (WPS)
  • Keine Materialrückverfolgbarkeit (Chargen)
  • Unkalibrierte Messgeräte

Schritt 5: Mängel beheben

Nach dem Audit erhalten Sie einen Mängelbericht. Kritische Mängel müssen vor der Zertifikatserteilung behoben werden.

Zeitrahmen: 2-8 Wochen je nach Umfang

Schritt 6: Zertifikat erhalten

Nach erfolgreicher Nachprüfung erhalten Sie das Zertifikat für die werkseigene Produktionskontrolle.

Gültigkeit: In der Regel unbegrenzt, solange die fälligen Überwachungsaudits bestanden werden.

Schritt 7: Laufende Überwachung

Überwachungsaudits folgen nicht pauschal jährlich, sondern in gestaffelten Abständen nach EN 1090-1 Tabelle B.3: Erst-Audit, Nachaudit nach einem Jahr, danach Intervall 2 Jahre, ab dem fünften Jahr 3 Jahre (Rhythmus 1-2-3-3 für EXC1/EXC2; für EXC3/EXC4 gilt 1-1-2-3-3). Wesentliche Änderungen im Betrieb — etwa ein Wechsel der Schweißaufsicht, neue Verfahren oder neue Werkstoffe — können das Intervall verkürzen. Den konkreten Termin legt die notifizierte Stelle fest.

Kosten: Ca. 1.500€ - 3.000€ je Überwachungsaudit


Dokumentationspflichten nach EN 1090

Pflichtdokumente für jedes Bauprodukt:

1. Leistungserklärung (DoP)

Die Declaration of Performance beschreibt die wesentlichen Merkmale des Bauprodukts:

  • Produkttyp und Verwendungszweck
  • Werkstoffkennwerte (Festigkeit, Schweißbarkeit)
  • Ausführungsklasse (EXC 1-4)
  • Korrosionsschutz (falls relevant)
  • Bezug zur harmonisierten Norm (EN 1090-1)

Wichtig: Pro Bauvorhaben/Produkttyp eine DoP (nicht pro einzelnem Bauteil).

2. CE-Kennzeichnung

Die CE-Kennzeichnung muss sichtbar, lesbar und dauerhaft auf dem Bauteil, einem Etikett oder den Begleitdokumenten angebracht sein.

Mindestangaben:

CE
[Kennnummer der notifizierten Stelle]
[Name/Firmenzeichen des Herstellers]
[Referenznummer der DoP]
[Produkttyp]
[EN 1090-1]

3. Schweißanweisung (WPS)

Jedes Schweißverfahren benötigt eine qualifizierte Schweißanweisung nach ISO 15609-1.

Inhalt:

  • Grundwerkstoff (Material, Dicke)
  • Schweißzusatz (Norm, Typ)
  • Schweißparameter (Strom, Spannung, Vorschub)
  • Vorwärmtemperatur
  • Zwischenlagentemperatur
  • Nahtart und -vorbereitung

Qualifizierung: Durch Schweißverfahrensprüfung (WPQR nach ISO 15614) oder Herstellerbescheinigung (pWPS).

4. Schweißerprüfungen

Alle Schweißer müssen nach ISO 9606-1 geprüft sein.

Gültigkeit nach ISO 9606-1:2017, Section 9:

  • 6-Monats-Bestätigung (9.2): Schweißaufsicht muss alle 6 Monate dokumentiert bestätigen, dass der Schweißer im Geltungsbereich tätig war. Ohne Bestätigung verfällt das Zertifikat.
  • 3-Jahres-Verlängerung (9.3): Nach 3 Jahren ist eine Verlängerung über eine der drei Methoden in Section 9.3 erforderlich (z. B. dokumentierte ZfP-Protokolle oder erneute Schweißprobe).
  • Lücke > 6 Monate ohne Schweißtätigkeit oder fehlende Bestätigung: Neu-Prüfung erforderlich
  • Hinweis: Die alte 2-Jahres-Regel stammt aus EN 287-1 (2013 zurückgezogen) und gilt nicht mehr.

5. Materialzertifikate

Für alle Grundwerkstoffe sind Werkszeugnisse nach EN 10204 erforderlich. EN 1090-2:2018 Tabelle 1 differenziert dabei nach Stahlsorte (nicht primär nach EXC):

  • 2.1: Werksbescheinigung (nur für nicht-tragende Bauteile)
  • 2.2: Werkszeugnis — Strukturstahl Grade ≤ S275, Schweißzusätze und übliche Schraubverbindungen
  • 3.1: Abnahmeprüfzeugnis — Strukturstahl Grade > S275 (z. B. S355, S460), Stahlguss, rostfreie Stähle mit höherer Streckgrenze; in der Praxis ab EXC3 Standard für tragende Bauteile
  • 3.2: Abnahmeprüfzeugnis mit unabhängiger Prüfung — projektspezifisch oder vertraglich gefordert (z. B. bei besonderen Anforderungen wie Brückenbau, sicherheitskritischen Bauteilen)

Rückverfolgbarkeit: Chargen-Nummern müssen bis zum fertigen Bauteil nachvollziehbar sein. Die konkrete Zuordnung Material/EXC ergibt sich aus der Ausführungsspezifikation und EN 1090-2:2018 Abschnitt 5.


Häufige Fehler bei der EN 1090 Umsetzung

❌ Fehler 1: Schweißer arbeiten ohne gültige Prüfung

Folge: Schwerer Mangel im Audit, ggf. Zertifikatsentzug Lösung: Digitale Überwachung der Ablaufdaten, automatische Erinnerungen

❌ Fehler 2: WPS fehlen oder sind unvollständig

Folge: Bauteil darf nicht in Verkehr gebracht werden Lösung: WPS-Bibliothek für Standardfälle, Software-gestützte Erstellung

❌ Fehler 3: Materialzertifikate gehen verloren

Folge: Keine CE-Kennzeichnung möglich, Bauteil muss nachgeprüft werden Lösung: Digitale Zertifikatsverwaltung mit Chargenzuordnung

❌ Fehler 4: DoP wird nicht für jedes Projekt erstellt

Folge: Rechtliche Konsequenzen, keine CE-Kennzeichnung zulässig Lösung: DoP aus den Projektdaten vorbelegt

❌ Fehler 5: Prüfumfang entspricht nicht der Ausführungsklasse

Folge: Mangel im Audit, Nachprüfung erforderlich Lösung: NDT-Planungstool basierend auf EXC und Bauteil-Geometrie


Kosten der EN 1090 Compliance

Einmalige Kosten (Erstzertifizierung):

PositionKosten
Beratung/Schulung1.500€ - 5.000€
Zertifizierungsaudit2.000€ - 8.000€
WPK-Dokumentation erstellen2.000€ - 10.000€
Schweißerprüfungen (5-10 Schweißer)2.500€ - 5.000€
Schweißaufsicht-Weiterbildung3.000€ - 15.000€
Gesamt11.000€ - 43.000€

Laufende Kosten (jährlich):

PositionKosten/Jahr
Überwachungsaudit1.500€ - 3.000€
Schweißer-Kontinuität (10 Schweißer)500€ - 1.500€
Prüfmittel-Kalibrierung300€ - 800€
Software/Tools (optional)1.200€ - 6.000€
Gesamt3.500€ - 11.300€

Zeitaufwand (ohne Software):

  • Erstdokumentation: 40-120 Stunden
  • Laufende Verwaltung: 2-5 Stunden/Woche
  • Audit-Vorbereitung: 10-20 Stunden/Jahr

EN 1090 Zertifizierung — Ablauf und Dauer

Was ist die EN 1090 Zertifizierung?

Die EN 1090 Zertifizierung (auch EN 1090 Zertifikat) ist die formelle Bestätigung durch eine notifizierte Stelle, dass Ihr Betrieb die technischen Anforderungen der EN 1090-1 und EN 1090-2 (bzw. -3 für Aluminium) erfüllt. Erst mit diesem Zertifikat dürfen Sie tragende Stahl- oder Aluminiumbauteile mit dem CE-Zeichen versehen und in der EU in Verkehr bringen.

Schritt-für-Schritt zur EN 1090 Zertifizierung

Die sieben Schritte von der EXC-Festlegung bis zur CE-Kennzeichnung sind im Abschnitt „7 Schritte zur EN 1090 Zertifizierung" oben ausführlich beschrieben. Ergänzend dazu hier Dauer und Kosten im Überblick.

Wie lange dauert die EN 1090 Zertifizierung?

Rechnen Sie realistisch mit 2 bis 6 Monaten vom Projektstart bis zum bestandenen Erstaudit. Die meiste Zeit entfällt auf den Aufbau der WPK und die Qualifizierung der WPS / Schweißer — das eigentliche Audit dauert typischerweise 1 bis 3 Tage vor Ort.

EN 1090 Zertifizierung — was kostet sie?

Die Kosten für die Erstzertifizierung bewegen sich je nach EXC und Betriebsgröße zwischen 11.000 € und 43.000 € — exakte Aufschlüsselung siehe Abschnitt „Kosten der EN 1090 Compliance" oben. Laufende Überwachungsaudits schlagen mit 1.500 € bis 3.000 € pro Jahr zu Buche.

Audit-Rhythmus nach EN 1090-1 Tabelle B.3

Der konkrete Turnus wird von der notifizierten Stelle im Audit-Plan festgelegt und ist nicht pauschal jährlich. Die korrekte Staffelung ist im Abschnitt „Schritt 7: Laufende Überwachung" oben beschrieben (Rhythmus 1-2-3-3 für EXC1/EXC2, 1-1-2-3-3 für EXC3/EXC4).

Checkliste: Voraussetzungen EN 1090 Zertifizierung

  • Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) als dokumentiertes QM-System
  • Mindestens eine qualifizierte WPS mit zugehörigem WPQR
  • Qualifizierte Schweißer mit gültiger ISO 9606-1-Prüfung
  • Benannte verantwortliche Schweißaufsicht (vSAP) je nach EXC
  • Dokumentierte Aufzeichnungen zu Materialeingang, Fertigung, NDT
  • Auditbereitschaft: vollständige Schweißdokumentation der letzten Auditperiode

Digitalisierung der EN 1090 Dokumentation

Vorteile digitaler Tools:

✅ Deutlich weniger Tipparbeit bei der WPS-Erstellung durch vorausgefüllte Parameter ✅ Automatische Ablaufüberwachung für Schweißerprüfungen ✅ Lückenlose Rückverfolgbarkeit von Materialchargen ✅ DoP aus den Projektdaten vorbelegt statt leerer Vorlage ✅ Lückenlose Nachweisführung durch vollständige digitale Akten ✅ Fehlerreduktion durch vorausgefüllte Formulare

Wie StahlNorm hilft:

StahlNorm ist eine All-in-One-Software für EN 1090 Compliance:

  • 📝 WPS-Editor: Schweißanweisungen nach ISO 15609
  • 👷 Schweißer-Management: Automatische Ablaufprüfung, Kontinuitätsverwaltung
  • 📄 Materialzertifikate: Upload, OCR-Erkennung, Chargenverfolgung
  • ✅ CE-Kennzeichnung: DoP nach EN 1090-1, aus den Projektdaten vorbelegt
  • 📊 Dashboard: Compliance-Status auf einen Blick
  • 🔄 Projekt-Integration: Alle Dokumente am richtigen Ort

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Braucht jeder Schweißer eine ISO 9606-1 Prüfung?

Ja, wenn er tragende Bauteile nach EN 1090 schweißt. Ausnahmen:

  • Nicht-tragende Bauteile (z.B. Geländer)
  • Heften unter Aufsicht einer geprüften Schweißaufsicht (nur EXC 1)

Für EXC 2-4 ist eine gültige Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 zwingend erforderlich.

Kann ich mit pWPS (preliminary WPS) arbeiten?

Ja, wenn Sie die Herstellerbescheinigung des Schweißzusatz-Herstellers vorweisen können.

Aber: Bei kritischen Anwendungen (EXC 3/4, dickere Bleche >25mm) ist oft eine WPQR (Schweißverfahrensprüfung nach ISO 15614) erforderlich.

Was passiert, wenn ich ohne EN 1090 Zertifikat arbeite?

Rechtliche Konsequenzen:

  • Bauaufsichtliche Maßnahmen (z. B. Stilllegung)
  • Gewährleistungsausschluss
  • Haftungsrisiken bei Schäden
  • Bußgelder nach Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011 — Höhe je nach Bundesland und Verstoß

Wirtschaftliche Folgen:

  • Verlust von Aufträgen (Zertifikat wird oft gefordert)
  • Nacharbeit/Neuherstellung auf eigene Kosten
  • Reputationsschaden

Wie lange dauert die Erstzertifizierung?

Typischer Zeitrahmen:

  • Vorbereitung & Dokumentation: 3-6 Monate
  • Audit-Termin: 1-2 Tage
  • Mängelbehebung: 2-8 Wochen
  • Gesamt: 4-9 Monate

Mit digitaler Unterstützung kann der Prozess auf 2-4 Monate verkürzt werden.

Gilt die EN 1090 auch in der Schweiz?

Die Schweiz hat die EN 1090 teilweise übernommen (SN EN 1090).

Aber: Die CE-Kennzeichnung ist in der Schweiz nicht verpflichtend. Trotzdem verlangen viele Auftraggeber eine EN 1090-Konformität, insbesondere bei grenzüberschreitenden Projekten.

Welche Ausführungsklasse brauche ich?

Die Ausführungsklasse wird vom Tragwerksplaner im statischen Nachweis festgelegt, basierend auf:

  • Konsequenzklasse (CC1, CC2, CC3)
  • Serviceability Class (SC1, SC2)
  • Produktionsklasse (PC1, PC2)

Faustregel:

  • EXC 2: Standard-Hallenbau, einfache Träger
  • EXC 3: Hochhäuser, Brücken, öffentliche Gebäude
  • EXC 4: Sonderkonstruktionen (sehr selten)

Wie werden Stahlkonstruktionen vor Ort gekennzeichnet?

Nach DIN EN 1090-1:2012-02 Abschnitt 8 ist jedes Bauteil mit einer Kennzeichnung zu liefern, die eine eindeutige Zuordnung zur Bauteilspezifikation ermöglicht.

Schlagstempel dürfen dabei nur verwendet werden, wenn dies zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbart wurde und die Stellen für die Stempelung festgelegt sind — weitere Einschränkungen und Anforderungen ergeben sich aus EN 1090-2 bzw. EN 1090-3.

Die CE-Kennzeichnung selbst muss dabei sichtbar, lesbar und dauerhaft auf dem Bauteil, einem Etikett oder den Begleitdokumenten angebracht sein (siehe Abschnitt „CE-Kennzeichnung" oben).

Was gehört auf die CE-Kennzeichnung eines Stahlbauteils?

Die Mindestangaben sind oben im Abschnitt „CE-Kennzeichnung" aufgeführt: CE-Symbol, Kennnummer der notifizierten Stelle, Name/Firmenzeichen des Herstellers, Referenznummer der DoP, Produkttyp, Verweis auf EN 1090-1.

DIN EN 1090-1:2012-02 Abschnitt ZA.3.1 verlangt ergänzend:

  • Die letzten beiden Ziffern des Jahres der Kennzeichnung
  • Die Nummer des EG-Zertifikats über die werkseigene Produktionskontrolle
  • Angaben zu den wesentlichen Leistungsmerkmalen (bzw. die Angabe „Keine Leistung festgestellt")
  • Die Ausführungsklasse unter Bezugnahme auf EN 1090-2 bzw. EN 1090-3
  • Eine Verweisung auf die Bauteilspezifikation

Fazit: EN 1090 als Qualitätsmerkmal

Die EN 1090 ist mehr als nur eine lästige Pflicht – sie ist ein Qualitätsnachweis für Ihr Unternehmen:

✅ Vertrauen bei Auftraggebern ✅ Strukturierte Prozesse ✅ Weniger Fehler und Nacharbeit ✅ Rechtssicherheit ✅ Wettbewerbsvorteil gegenüber nicht-zertifizierten Betrieben

Mit den richtigen Tools wird die Compliance zum Business Enabler statt zur Belastung.


Über StahlNorm: StahlNorm ist eine Software für die EN 1090 Dokumentation: Schweißdokumentation, Schweißer- und Verfahrensqualifikationen, werkseigene Produktionskontrolle und die Unterlagen für die CE-Kennzeichnung in einem System.

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Häufige Fragen

Was besagt die EN 1090 für Stahlbau- und Aluminiumkonstruktionen?

Die EN 1090 ist die harmonisierte europäische Norm für die Ausführung tragender Bauteile aus Stahl und Aluminium. Sie legt fest, welche technischen und organisatorischen Anforderungen Hersteller erfüllen müssen, und ist Grundlage für die verpflichtende CE-Kennzeichnung. Teil 1 (EN 1090-1) regelt die Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung, Teil 2 (EN 1090-2) die technische Ausführung von Stahltragwerken, Teil 3 (EN 1090-3) die von Aluminiumtragwerken.

Für wen gilt die EN 1090?

Die EN 1090 gilt für alle Betriebe, die tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium herstellen und in der EU in Verkehr bringen – also Stahlbau-, Metallbau- und Schlossereibetriebe. Ohne EN 1090-Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle dürfen solche Bauteile nicht mit CE-Kennzeichnung verkauft werden.

Was bedeuten die Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4?

Die Ausführungsklassen (Execution Classes, EXC1 bis EXC4) nach EN 1090-2 legen den Aufwand für Ausführung, Prüfung und Dokumentation fest. Sichtgeprüft werden alle Nähte in jeder Klasse; unterschiedlich ist der Umfang der ergänzenden zerstörungsfreien Prüfung nach EN 1090-2:2018 Tabelle 24, der zusätzlich von der Nahtart abhängt: in EXC1 grundsätzlich 0 %, in EXC2 0 bis 10 %, in EXC3 5 bis 20 %. Für EXC4 nennt die Tabelle keinen Wert – dort wird der Umfang je Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen.

Was ist der Unterschied zwischen EN 1090-1 und EN 1090-2?

EN 1090-1 regelt die Konformitätsbewertung und die Voraussetzungen für die CE-Kennzeichnung tragender Bauteile. EN 1090-2 enthält die konkreten technischen Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken – etwa Schweißen, Toleranzen, Korrosionsschutz und den Prüfumfang je Ausführungsklasse.

Was kostet die EN 1090-Zertifizierung?

Die Kosten hängen von Betriebsgröße, angestrebter Ausführungsklasse (EXC) und vorhandener Dokumentation ab. Wesentliche Posten sind die Erstzertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle, die Schweißaufsicht sowie die laufende Aufrechterhaltung. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös möglich – holen Sie Angebote notifizierter Zertifizierungsstellen ein.

Wer hilft beim EN-1090-Zertifizierungsprozess?

Für den EN-1090-Zertifizierungsprozess gibt es mehrere Unterstützungsangebote: Eine Erstberatung (stahlnorm.de/beratung/erstberatung) hilft dabei, den aktuellen Stand Ihres Betriebs einzuschätzen und die nächsten Schritte zu planen. Eine externe Schweißaufsicht (stahlnorm.de/beratung/schweissaufsicht) kann die Schweißaufsichtspflicht übernehmen, wenn kein eigener IWE/IWT/EWS im Betrieb vorhanden ist. Notifizierte Stellen (TÜV, SLV, DEKRA) führen die eigentliche Zertifizierung der werkseigenen Produktionskontrolle durch. Digitale Tools wie StahlNorm unterstützen bei der Erstellung und Verwaltung aller Pflichtdokumente.

Wie werden Stahlkonstruktionen vor Ort gekennzeichnet?

Nach DIN EN 1090-1:2012-02 Abschnitt 8 ist jedes Bauteil mit einer Kennzeichnung zu liefern, die eine eindeutige Zuordnung zur Bauteilspezifikation ermöglicht. Schlagstempel dürfen dabei nur verwendet werden, wenn dies zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbart wurde und die Stellen für die Stempelung festgelegt sind — weitere Einschränkungen ergeben sich aus EN 1090-2 bzw. EN 1090-3. Die CE-Kennzeichnung selbst muss sichtbar, lesbar und dauerhaft auf dem Bauteil, einem Etikett oder den Begleitdokumenten angebracht sein.

Was gehört auf die CE-Kennzeichnung eines Stahlbauteils?

Die Mindestangaben (CE-Symbol, Kennnummer der notifizierten Stelle, Name/Firmenzeichen des Herstellers, Referenznummer der DoP, Produkttyp, Verweis auf EN 1090-1) sind oben im Abschnitt zur CE-Kennzeichnung aufgeführt. DIN EN 1090-1:2012-02 Abschnitt ZA.3.1 verlangt ergänzend: die letzten beiden Ziffern des Jahres der Kennzeichnung, die Nummer des EG-Zertifikats über die werkseigene Produktionskontrolle, Angaben zu den wesentlichen Leistungsmerkmalen (bzw. „Keine Leistung festgestellt“), die Ausführungsklasse unter Bezugnahme auf EN 1090-2 bzw. EN 1090-3 sowie eine Verweisung auf die Bauteilspezifikation.

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