ISO 13920
Die Werte sind nach Nennmaßbereichen gestaffelt: je größer das Bauteil, desto größer das zulässige Grenzabmaß.
Ausgabestand: Aktuell gilt DIN EN ISO 13920:2023-08 (ersetzt 1996-11). Die Tabellenwerte folgen der bauforumstahl-Arbeitshilfe 10.3 (04/2020), die auf der Vorgängerausgabe beruht; der Abgleich mit der Ausgabe 2023 steht aus.
Für normalen Stahlhochbau (Büros, Wohnbauten) ist Klasse B (mittlere Toleranzen) die bewährte Wahl. Klasse A nur bei besonderen Anforderungen, Klasse C für Wirtschaftlichkeit.
Toleranzklassen A, B, C, D im Detail
Von höchster Präzision (A) bis wirtschaftlich (D) – die richtige Wahl spart Kosten
Höchste Präzisionsanforderungen für passgenaue Bauteile mit engen Fugen
Typische Anwendung
Präzisionsbauteile, Maschinenbau, enge Passungen, Sichtbauteile höchster Qualität
Längenmaß bei 100 mm / 500 mm
± 1 mm / ± 2 mm
Winkelmaß, kürzerer Schenkel ≤ 400 mm
± 20′ (6 mm/m)
Kosten
Sehr hoch (aufwendige Nacharbeit)
Geradheit, Ebenheit und Parallelität laufen über die eigene Klassenachse E bis H — siehe Tabelle 3 weiter unten.
Vorteile
- Höchste Passgenauigkeit
- Minimale Fugenbreiten
- Präzise Geometrie
Nachteile
- Sehr teuer
- Zeitaufwendig
- Hoher Nacharbeitsaufwand
Standard für hochwertigen Stahlhochbau mit guter Passgenauigkeit
Typische Anwendung
Standard-Stahlhochbau, Bürogebäude, Wohnbauten, sichtbare Tragwerke
Längenmaß bei 100 mm / 500 mm
± 2 mm / ± 3 mm
Winkelmaß, kürzerer Schenkel ≤ 400 mm
± 45′ (13 mm/m)
Kosten
Mittel (Standard-Aufwand)
Geradheit, Ebenheit und Parallelität laufen über die eigene Klassenachse E bis H — siehe Tabelle 3 weiter unten.
Vorteile
- Gute Passgenauigkeit
- Wirtschaftlich
- Bewährter Standard
Nachteile
- Nicht für Präzisionsteile
- Fugen können sichtbar sein
Für allgemeinen Metallbau mit reduzierten Genauigkeitsanforderungen
Typische Anwendung
Lagerhallen, Fachwerke, nicht sichtbare Bauteile, wirtschaftlicher Metallbau
Längenmaß bei 100 mm / 500 mm
± 3 mm / ± 6 mm
Winkelmaß, kürzerer Schenkel ≤ 400 mm
± 1° (18 mm/m)
Kosten
Günstig
Geradheit, Ebenheit und Parallelität laufen über die eigene Klassenachse E bis H — siehe Tabelle 3 weiter unten.
Vorteile
- Wirtschaftlich
- Schnelle Fertigung
- Wenig Nacharbeit
Nachteile
- Sichtbare Fugen
- Begrenzte Passgenauigkeit
Für unkritische Konstruktionen ohne besondere Anforderungen
Typische Anwendung
Landwirtschaftliche Bauten, Gerüste, provisorische Konstruktionen, Hilfskonstruktionen
Längenmaß bei 100 mm / 500 mm
± 4 mm / ± 9 mm
Winkelmaß, kürzerer Schenkel ≤ 400 mm
± 1° 30′ (26 mm/m)
Kosten
Sehr günstig
Geradheit, Ebenheit und Parallelität laufen über die eigene Klassenachse E bis H — siehe Tabelle 3 weiter unten.
Vorteile
- Sehr wirtschaftlich
- Minimaler Aufwand
- Schnellste Fertigung
Nachteile
- Große Fugen
- Keine Passgenauigkeit
- Nur für unkritisch
Die Toleranztabellen der ISO 13920
Grenzabmaße für Längenmaße und Winkelmaße (Klassen A bis D) sowie Form- und Lagetoleranzen (Klassen E bis H)
Tabelle 1 — Grenzabmaße für Längenmaße
Zulässige Abweichung t vom Nennmaß in mm, Toleranzklassen A bis D.
| Nennmaßbereich l in mm | Klasse A | Klasse B | Klasse C | Klasse D |
|---|---|---|---|---|
| 2 bis 30 | ± 1 | ± 1 | ± 1 | ± 1 |
| > 30 bis 120 | ± 1 | ± 2 | ± 3 | ± 4 |
| > 120 bis 400 | ± 1 | ± 2 | ± 4 | ± 7 |
| > 400 bis 1000 | ± 2 | ± 3 | ± 6 | ± 9 |
| > 1000 bis 2000 | ± 3 | ± 4 | ± 8 | ± 12 |
| > 2000 bis 4000 | ± 4 | ± 6 | ± 11 | ± 16 |
| > 4000 bis 8000 | ± 5 | ± 8 | ± 14 | ± 21 |
| > 8000 bis 12000 | ± 6 | ± 10 | ± 18 | ± 27 |
| > 12000 bis 16000 | ± 7 | ± 12 | ± 21 | ± 32 |
| > 16000 bis 20000 | ± 8 | ± 14 | ± 24 | ± 36 |
| > 20000 | ± 9 | ± 16 | ± 27 | ± 40 |
Tabelle 2 — Grenzabmaße für Winkelmaße
Zulässige Winkelabweichung ∆α, Toleranzklassen A bis D. Maßgebend ist die Länge des kürzeren Winkelschenkels.
| Nennmaßbereich l in mm | Klasse A | Klasse B | Klasse C | Klasse D |
|---|---|---|---|---|
| ≤ 400 | ± 20′± 6 mm/m | ± 45′± 13 mm/m | ± 1°± 18 mm/m | ± 1° 30′± 26 mm/m |
| > 400 bis 1000 | ± 15′± 4,5 mm/m | ± 30′± 9 mm/m | ± 45′± 13 mm/m | ± 1° 15′± 22 mm/m |
| > 1000 | ± 10′± 3 mm/m | ± 20′± 6 mm/m | ± 30′± 9 mm/m | ± 1°± 18 mm/m |
Die Angabe in mm/m entspricht dem Tangenswert des Grenzabmaßes. Für die zulässige Abweichung in mm wird sie mit der Länge des kürzeren Schenkels in Metern multipliziert — bei 400 mm Schenkellänge also mit 0,4.
Geradheit, Ebenheit und Parallelität haben eigene Toleranzklassen. Sie werden unabhängig von der Klasse für Längen- und Winkelmaße festgelegt; die Bezeichnung nennt beide Achsen (Beispiel: DIN EN ISO 13920-BG).
Klasse EFeine Form- und Lagetoleranzen
Auflagerflächen, Kontaktstöße, Anschlüsse mit Passungsanspruch
bei 1000 mm Nennmaß: 1,5 mm
Klasse FMittlere Form- und Lagetoleranzen
Sichtbare Bleche und Stege im gehobenen Stahlhochbau
bei 1000 mm Nennmaß: 3 mm
Klasse GGrobe Form- und Lagetoleranzen
Stege und Bleche im üblichen Stahlbau; in EN 1090-2 als alternatives Kriterium genannt
bei 1000 mm Nennmaß: 5,5 mm
Klasse HSehr grobe Form- und Lagetoleranzen
Untergeordnete Bauteile ohne Anforderung an die Ebenheit
bei 1000 mm Nennmaß: 9 mm
Tabelle 3 — Geradheits-, Ebenheits- und Parallelitätstoleranzen
Zulässige Form- und Lageabweichung t in mm — eigene Toleranzklassen E bis H, unabhängig von der Klasse für Längen- und Winkelmaße.
| Nennmaßbereich l in mm | Klasse E | Klasse F | Klasse G | Klasse H |
|---|---|---|---|---|
| > 30 bis 120 | 0,5 | 1 | 1,5 | 2,5 |
| > 120 bis 400 | 1 | 1,5 | 3 | 5 |
| > 400 bis 1000 | 1,5 | 3 | 5,5 | 9 |
| > 1000 bis 2000 | 2 | 4,5 | 9 | 14 |
| > 2000 bis 4000 | 3 | 6 | 11 | 18 |
| > 4000 bis 8000 | 4 | 8 | 16 | 26 |
| > 8000 bis 12000 | 5 | 10 | 20 | 32 |
| > 12000 bis 16000 | 6 | 12 | 22 | 36 |
| > 16000 bis 20000 | 7 | 14 | 25 | 40 |
| > 20000 | 8 | 16 | 25 | 40 |
In Tabelle 3 tragen die beiden obersten Nennmaßbereiche (> 16000 bis 20000 und > 20000) für die Klassen G und H identische Werte (25 mm bzw. 40 mm). Werte laut Arbeitshilfe; Abgleich mit dem Normtext ausstehend.
Zeichnungsangabe DIN EN ISO 13920-BG — Klasse B für die Längen- und Winkelmaße, Klasse G für Geradheit, Ebenheit und Parallelität.
Längenmaß, Klasse B
1800 mm ± 4 mm → zulässig von 1796 mm bis 1804 mm
Geradheit / Ebenheit, Klasse G
zulässige Abweichung 9 mm über die Bezugslänge
Beide Werte stammen aus unterschiedlichen Tabellen und sind getrennt zu vereinbaren. EN 1090-2:2018 nennt in 11.3.3 a) die Klassen C und G der ISO 13920 als alternative Kriterien für die funktionalen Toleranzen.
Tabellenwerte: Stahlbau Arbeitshilfe 10.3 — Allgemeintoleranzen für Schweißkonstruktionen, bauforumstahl e. V., 1. Auflage 04/2020, Tabellen 1–3. Zitierte Norm dort: DIN EN ISO 13920 (in der Arbeitshilfe undatiert zitiert).
Ausgabestand: Aktuell gilt DIN EN ISO 13920:2023-08 (ersetzt 1996-11). Die Tabellenwerte folgen der bauforumstahl-Arbeitshilfe 10.3 (04/2020), die auf der Vorgängerausgabe beruht; der Abgleich mit der Ausgabe 2023 steht aus.
Anmerkung zu Tabelle 3: In Tabelle 3 tragen die beiden obersten Nennmaßbereiche (> 16000 bis 20000 und > 20000) für die Klassen G und H identische Werte (25 mm bzw. 40 mm). Werte laut Arbeitshilfe; Abgleich mit dem Normtext ausstehend.
Der Normtext ist kostenpflichtig. Maßgebend für eine Vereinbarung ist immer die beim Herausgeber bezogene aktuelle Ausgabe, nicht diese Zusammenstellung.
Diese Tabellen als PDF für die Werkstatt
Dieselben drei Tabellen auf zwei Seiten A4 — zum Ausdrucken und Aushängen an der Werkbank. Erzeugt aus derselben Quelle wie die Tabellen oben, samt Quellen- und Ausgabestandshinweis.
Auswahlkriterien für Toleranzklasse
Welche Klasse A bis D passt zu welcher Anwendung? Die Form- und Lageklasse E bis H wird davon unabhängig gewählt (siehe Tabelle 3 oben).
- Klasse A
- Passteile, Lager, Führungen
- Klasse B
- Tragende Hauptbauteile
- Klasse C
- Sekundärbauteile
- Klasse D
- Nicht tragende Hilfsteile
- Klasse A
- Repräsentative Sichtflächen
- Klasse B
- Sichtbare Bauteile
- Klasse C
- Teilweise sichtbar
- Klasse D
- Nicht sichtbar
- Klasse A
- Enge Passungen, Schrumpfung
- Klasse B
- Normale Verschraubung
- Klasse C
- Grobe Verbindungen
- Klasse D
- Provisorisch, angeschweißt
- Klasse A
- Hoher Aufwand vertretbar
- Klasse B
- Standardaufwand
- Klasse C
- Kostengünstige Lösung
- Klasse D
- Minimaler Aufwand
Praxisbeispiele
Konkrete Bauteile mit Klassen-Empfehlungen
Längenmaß, Nennmaßbereich > 4000 bis 8000 mm
Klasse B
± 8 mm
Klasse C
± 14 mm
Wann welche? Klasse B: bei direkter Montage ohne Anpassung. Klasse C: wenn vor Ort angepasst und geschweißt wird.
Längenmaß > 120 bis 400 mm, Ebenheit > 120 bis 400 mm
Länge Klasse B
± 2 mm
Länge Klasse C
± 4 mm
Ebenheit Klasse F
1,5 mm
Ebenheit Klasse G
3 mm
Wann welche? Enge Ebenheit (Klasse F) bei geschraubten Verbindungen mit Dichtung. Klasse G genügt beim Anschweißflansch.
Winkelmaß, Nennmaßbereich ≤ 400 mm
Klasse B
± 45′ (13 mm/m)
Klasse C
± 1° (18 mm/m)
Wann welche? Klasse B: sichtbare Ecken und Fassaden. Klasse C: innenliegende Knoten. Maßgebend ist immer der kürzere Schenkel.
Häufige Fehler bei Toleranzen
- 01
Keine Toleranzklasse angegeben
MittelZeichnung verweist auf ISO 13920, aber ohne Angabe der Klasse. Die Norm führt zwei Achsen: A–D für Längen- und Winkelmaße, E–H für Geradheit, Ebenheit und Parallelität — die Bezeichnung nennt beide (Beispiel: ISO 13920-BG). Folge einer fehlenden Angabe: Fertigung muss nachfragen → Verzögerung.
- 02
Klassenachsen verwechselt
HochFür die Ebenheit wird „Klasse B“ gefordert. Klasse B gibt es nur für Längen- und Winkelmaße; Form- und Lagetoleranzen laufen über E–H. Folge: die Anforderung ist nicht prüfbar und muss geklärt werden.
- 03
Falsche Klasse für Anwendung gewählt
HochKlasse D für sichtbares Fassadenbauteil gewählt. Folge: Große Fugen, schlechte Optik, Nacharbeit erforderlich.
- 04
Winkelmaß am längeren Schenkel gemessen
HochDas Grenzabmaß für Winkelmaße bezieht sich auf die Länge des KÜRZEREN Winkelschenkels. Wer den längeren Schenkel zugrunde legt, rechnet mit dem falschen Nennmaßbereich und damit mit einer zu engen oder zu weiten Toleranz.
- 05
Toleranzen nicht auf Montage abgestimmt
Sehr hochKlasse C für Bauteile mit engen Passungen. Montage nicht möglich, Nacharbeit vor Ort erforderlich.
- 06
Schweißverzug nicht berücksichtigt
Sehr hochKlasse A ohne Ausgleich für Schweißverzug gefordert. Selbst bei sorgfältigster Fertigung nicht erreichbar → Bauteil wird nie die Toleranz einhalten.
Häufige Fragen zu ISO 13920
Wann gilt ISO 13920 automatisch?
ISO 13920 gilt, wenn in Zeichnungen auf die Norm verwiesen wird (z.B. „Allgemeintoleranzen nach DIN EN ISO 13920-BG“) ODER wenn keine spezifischen Toleranzen angegeben sind und die Norm im Zeichnungskopf referenziert ist. Die Toleranzklassen müssen immer explizit angegeben werden — und zwar beide Achsen: A bis D für Längen- und Winkelmaße, E bis H für Geradheit, Ebenheit und Parallelität.
Welche Toleranzklasse ist Standard im Stahlbau?
Klasse B ist Standard für normalen Stahlhochbau (Büros, Wohnbauten, sichtbare Tragwerke). Klasse C für wirtschaftlichen Metallbau (Lagerhallen, nicht sichtbare Bauteile). Klasse A nur bei besonderen Anforderungen (Passungen, Präzisionsteile). Klasse D für unkritische Hilfskonstruktionen. Für die Form- und Lagetoleranzen (E bis H) gibt es keinen festen Standard: EN 1090-2 nennt Klasse G als alternatives Kriterium; bei erhöhtem Anspruch an die Ebenheit kann Klasse F vereinbart werden.
Können spezielle Toleranzen ISO 13920 überschreiben?
Ja, spezifisch in der Zeichnung angegebene Toleranzen haben immer Vorrang vor ISO 13920. Beispiel: Zeichnung sagt „ISO 13920-BG“, aber für eine Länge steht „1000 ±0,5 mm“ → die ±0,5 mm gelten, nicht das Grenzabmaß ± 3 mm aus Klasse B.
Was kostet der Unterschied zwischen Klasse B und C?
Je enger die Klasse, desto mehr Aufwand für Richten, Schleifen und Messen — eine allgemeingültige Zahl gibt es dafür nicht, der Aufwand hängt an Bauteil, Werkstoff und Fertigungsfolge. Die Regel für die Vereinbarung: nur so eng wie funktional nötig, sonst entstehen Kosten ohne Nutzen.
Wie werden Toleranzen gemessen?
Längentoleranzen: Mit Messschieber, Maßband oder Lasermessgerät. Winkeltoleranzen: Mit Winkelmesser oder Messwinkel. Ebenheitstoleranzen: Mit Richtlineal und Fühlerlehre. Geradheitstoleranzen: Mit gespanntem Draht oder Laser. Bei EXC3/4 oft Messprotokoll erforderlich.
Gilt ISO 13920 auch für Aluminium?
Ja, ISO 13920 gilt für alle geschweißten Metallkonstruktionen (Stahl, Aluminium, Edelstahl). Allerdings: Aluminium hat oft größeren Schweißverzug → In Praxis oft Klasse C statt B nötig, um wirtschaftlich zu bleiben.
Was ist mit Schweißverzug?
ISO 13920 Toleranzen gelten für das fertige, abgekühlte Bauteil. Schweißverzug muss im Vorfeld berücksichtigt werden (Gegenzug, Reihenfolge, Heftung). Bei großen Bauteilen Klasse A oft praktisch nicht erreichbar.
Wie dokumentiere ich Toleranzen in Zeichnungen?
Im Zeichnungskopf: „Allgemeintoleranzen nach DIN EN ISO 13920-BG“ eintragen. Wer nur eine Klasse nennt, lässt die zweite Achse offen — vollständig ist die Kurzform mit beiden Buchstaben, zum Beispiel „ISO 13920-BG“. Für spezifische Maße: Direkt am Maß eintragen (überschreibt ISO 13920).