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Ausführungsklasse nach EN 1090-2 bestimmen: EXC1 bis EXC4
Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken
Die EN 1090-2 ist die zentrale Ausführungsnorm für Stahltragwerke in Europa. Sie definiert die technischen Anforderungen an Herstellung, Schweißen, Montage und Dokumentation von tragenden Stahlbauteilen. Die Norm regelt vier Ausführungsklassen (EXC1-EXC4), die je nach Beanspruchung und Sicherheitsrelevanz unterschiedliche Qualitätsanforderungen stellen. Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich unser Ratgeber zur WPS nach ISO 15609-1 erstellen.
Welche Ausführungsklasse brauche ich? — EXC-Rechner
Bestimmen Sie die Ausführungsklasse Ihres Bauteils nach DIN EN 1090-2 Tabelle B.3 — aus Schadensfolge-, Beanspruchungs- und Herstellungskategorie. Inklusive der daraus folgenden Prüf- und Dokumentationspflichten.
Ausführungsklasse (EXC) nach EN 1090-2 bestimmen
Drei Angaben wählen → Ihre Ausführungsklasse EXC1–4 inkl. der wichtigsten Anforderungen. Kostenlos, ohne Anmeldung.
1. Schadensfolgeklasse (CC, nach EN 1990)
2. Beanspruchungskategorie (SC)
3. Herstellungskategorie (PC)
Bitte alle drei Kategorien wählen, um die Ausführungsklasse zu bestimmen.
Hinweis: Empfehlung nach DIN EN 1090-2 Tabelle B.3. Die verbindliche Festlegung der Ausführungsklasse trifft der Tragwerksplaner; nationale Vorschriften (z. B. DIN EN 1993) können abweichen.
WPS, WPQR, NDT-Plan und die komplette EXC-Dokumentation für Ihre Projekte verwalten? StahlNorm leitet aus der Ausführungsklasse automatisch alle Pflichten ab — inkl. Prüfumfang und Audit-Export.
StahlNorm kostenlos testenAusführungsklassen EXC1-EXC4
Die EN 1090-2 unterscheidet vier Ausführungsklassen mit steigenden Qualitätsanforderungen. Die Wahl der Klasse richtet sich nach statischer Relevanz, Beanspruchungsart und Konsequenzen eines Versagens.
Typische Anwendungen
- Geländer
- Treppen ohne statische Relevanz
- Nicht tragende Verkleidungen
Schweißtechnische Anforderungen
- Keine schweißtechnische Qualifikation erforderlich
- Visuelle Prüfung ausreichend
- Keine WPS erforderlich
NDT-Prüfumfang
Keine NDT erforderlich
Typische Anwendungen
- Standard Stahlhochbau
- Hallenkonstruktionen
- Bürogebäude
- Wohngebäude
Schweißtechnische Anforderungen
- WPS nach ISO 15609 erforderlich
- Schweißaufsicht durch EWE/IWE
- Schweißer nach ISO 9606 qualifiziert
NDT-Prüfumfang
10 % Stumpf-/Kreuzstoß, 5 % T-Stoß und dicke Quer-Kehlnähte, 0 % übrige (EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 24)
Typische Anwendungen
- Brücken
- Kranbahnen
- Türme
- Mastbauwerke
- Stadien
Schweißtechnische Anforderungen
- Vollständige WPS und WPQR
- Schweißaufsicht durch IWE
- Lückenlose Dokumentation
NDT-Prüfumfang
20 % Stumpf-/Kreuzstoß, 10 % T-Stoß und dicke Quer-Kehlnähte, 5 % übrige (EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 24)
Typische Anwendungen
- Erdbebenzone
- Offshore-Konstruktionen
- Kernkraftwerke
- Hochhäuser
Schweißtechnische Anforderungen
- Zusätzliche Qualifikationen
- Erweiterte WPQR-Prüfungen
- Schweißkoordinator zwingend
NDT-Prüfumfang
100% Prüfung aller Schweißnähte
Zentrale Anforderungen der EN 1090-2
Diese vier Bereiche müssen Sie für EN 1090-2 Konformität beherrschen
- Schweißer nach ISO 9606-1 qualifiziert
- Schweißaufsicht (EWE/IWE/IWT) je nach EXC-Klasse
- Regelmäßige Weiterbildung und Nachschulungen
- Dokumentation aller Qualifikationen
- WPS nach ISO 15609-1 für alle Schweißverfahren
- WPQR nach ISO 15614-1 als Qualifikationsgrundlage
- Gültigkeitsbereich der WPQR beachten
- Freigabe durch Schweißaufsicht
- Prüfumfang abhängig von Ausführungsklasse
- Visuelle Prüfung (VT) 100%
- Ultraschall (UT), Röntgen (RT), Magnetpulver (MT)
- Bewertungsgruppen B, C, D nach ISO 5817
- Toleranzklassen nach ISO 13920
- Ebenheit, Geradheit, Winkligkeit
- Schweißnahtvorbereitung nach ISO 9692
- Nahtüberhöhung und Nahtübergang
Dokumentations-Checkliste
Diese Dokumente benötigen Sie für Audits und CE-Kennzeichnung
Häufige Fehler bei EN 1090-2
Diese Stolperfallen sollten Sie vermeiden
Falsche Ausführungsklasse gewählt
Die EXC-Klasse wird zu niedrig oder zu hoch angesetzt. Folge: Über- oder Unterdokumentation, Audit-Probleme.
Unvollständige WPS-Dokumentation
WPS ohne passende WPQR oder fehlende Parameter. Ohne gültige WPS ist die Schweißung nicht konform.
Schweißer-Qualifikationen abgelaufen
ISO 9606-1:2017-Zertifikate verlangen alle 6 Monate eine Bestätigung der Schweißaufsicht und nach 3 Jahren eine Verlängerung nach Section 9.3. Versäumnis = Qualifikation ungültig.
NDT-Prüfumfang nicht eingehalten
Zu wenig geprüft führt zu Nicht-Konformität. Der Prüfumfang ist je nach EXC-Klasse genau definiert.
Materialzertifikate fehlen
3.1-Zertifikate nach EN 10204 müssen für alle Stähle und Zusatzwerkstoffe vorhanden sein.
Keine Schweißaufsicht bestellt
Ab EXC2 ist eine qualifizierte Schweißaufsicht (EWE/IWE) zwingend erforderlich.
Häufig gestellte Fragen zu EN 1090-2
EXC2 gilt für alle tragenden Bauteile im Stahlhochbau. EXC1 ist nur für nicht tragende Bauteile wie Geländer oder Verkleidungen zulässig. Im Zweifel gilt: Tragendes Bauteil = mindestens EXC2.
Ja. Ab EXC2 müssen alle Schweißarbeiten nach einer qualifizierten WPS (ISO 15609-1) ausgeführt werden. Die WPS muss durch eine WPQR (ISO 15614-1) qualifiziert sein.
EN 1090-2:2018+A1:2024 Tabelle 24 staffelt die ergänzende ZfP nach Nahtart, nicht nach Prüfverfahren — zusätzlich zur Sichtprüfung, die an allen Nähten über die volle Länge erfolgt. In EXC2: Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß 10 %, im T-Stoß 5 %, Quer-Kehlnähte mit a > 12 mm oder t > 30 mm 5 %, kleinere Quer-Kehlnähte und sonstige Längsnähte 0 %. In EXC3 verdoppeln sich diese Sätze (20 / 10 / 10 / 5 %). Für EXC4 nennt Tabelle 24 keinen Wert: Dort wird der Umfang je Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen (12.4.2.3).
EN 1090-2:2018 Tabelle 14 fordert kein bestimmtes Diplom, sondern ein technisches Wissensniveau nach ISO 14731 — basis (B), spezifisch (S) oder umfassend (C) — abhängig von Ausführungsklasse, Stahlsorte und Blechdicke. Für EXC2 mit S235–S355 bis 25 mm genügt B, in EXC3 wird für dieselben Güten mindestens S verlangt, über 25 mm C. In der deutschen Praxis werden B/S/C über IWS, IWT und IWE nachgewiesen.
Nach ISO 9606-1:2017 Section 9 bis zu 3 Jahre — vorausgesetzt, die Schweißaufsicht bestätigt alle 6 Monate die Schweißtätigkeit (9.2). Nach 3 Jahren erfolgt eine Verlängerung nach Section 9.3 (z. B. ZfP-Protokolle oder neue Schweißprobe). Bei Unterbrechung > 6 Monate: Neuprüfung erforderlich.
Abweichungen müssen dokumentiert und von der Schweißaufsicht genehmigt werden. Kritische Parameter (z.B. Vorwärmtemperatur, Streckenenergie) dürfen nicht ohne neue WPQR geändert werden.
Ja, sofern nicht projektspezifisch andere Toleranzen vereinbart wurden. ISO 13920 gilt als Standard für Schweißkonstruktionen und ist Teil der EN 1090-2.
Reparaturen müssen vollständig dokumentiert werden: Grund, Reparaturverfahren, WPS-Nummer, Schweißer, NDT-Prüfung nach Reparatur, Freigabe durch Schweißaufsicht.
EXC2-Checkliste als PDF
Alle EXC2-Pflichten aus EN 1090-1 und EN 1090-2 in einer abhakbaren Liste — WPK, CE/DoP, WPQR/WPS, Schweißer, Schweißaufsicht, ZfP nach Tab. 24, Audit-Rhythmus Tab. B.3. Mit Normverweis je Zeile.
EXC2-Anforderungen im Überblick
Ausführungsklasse 2 ist der Standard für übliche tragende Stahlbauten. Diese Anforderungen gelten für Hallenkonstruktionen, Büro- und Wohngebäude mit mittleren Konsequenzen.
EXC2 gilt für tragende Bauteile mit mittleren Folgen bei einem Versagen (Konsequenzklasse CC2). Typische Anwendungen sind Standard-Stahlhochbau, Hallenkonstruktionen, Bürogebäude und Wohngebäude. Die Ausführungsklasse wird vom Tragwerksplaner auf Basis von Konsequenzklasse, Serviceability Class und Produktionsklasse festgelegt.
EN 1090-2:2018+A1:2024 Tabelle 24 staffelt die ergänzende zerstörungsfreie Prüfung nach Nahtart. In EXC2 gilt: Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß 10 %, im T-Stoß 5 %, Quer-Kehlnähte mit a > 12 mm oder t > 30 mm 5 %, kleinere Quer-Kehlnähte sowie sonstige Längs- und Steifennähte 0 %. Die Sichtprüfung erfolgt zusätzlich an allen Nähten über die volle Länge und wird nicht in Prozent gerechnet. Das Prüfverfahren — Ultraschall (UT), Röntgen (RT), Magnetpulver (MT) oder Eindringprüfung (PT) — wählt die Schweißaufsicht nach 12.4.2.6; es hängt nicht an der Ausführungsklasse.
Ab EXC2 sind alle Schweißarbeiten nach einer qualifizierten WPS nach ISO 15609-1 auszuführen. Die WPS muss durch einen WPQR nach ISO 15614-1 oder eine zulässige pWPS (bei Standard-Stahlbau bis 25 mm Wanddicke) qualifiziert sein. Alle Schweißer benötigen eine gültige Prüfung nach ISO 9606-1 — inklusive Halbjahres-Bestätigung durch die Schweißaufsicht.
EXC2 verlangt eine vollständige Fertigungsdokumentation: Schweißnahtverzeichnis, WPS-Zuordnung je Naht, Schweißeridentifikation, NDT-Prüfprotokolle und Materialzertifikate nach EN 10204 (mind. Typ 2.2, für Stähle über S275 Typ 3.1). Im Vergleich zu EXC3 sind keine lückenlosen Chargenzuordnungen für alle Bauteile erforderlich — die Rückverfolgbarkeit muss jedoch bis auf Bauteilebene gewährleistet sein.
Abgrenzung EXC2 vs. EXC3: In EXC3 verdoppeln sich die Sätze der Tabelle 24 (20 % Stumpf-/Kreuzstoß, 10 % T-Stoß und dicke Quer-Kehlnähte, 5 % übrige); dazu kommen die vollständige WPQR-Pflicht ohne pWPS-Ausnahme und eine umfassendere Rückverfolgbarkeit.