- Daten in der EU (Frankfurt)
- DSGVO-konform
EN ISO 17635
Zerstörungsfreie Prüfung von Schweißverbindungen
EN ISO 17635 definiert Prüfumfang und -verfahren für die zerstörungsfreie Prüfung (NDT - Non-Destructive Testing) von Schweißnähten. Der erforderliche Prüfumfang ist direkt von der Ausführungsklasse nach EN 1090-2 und von der Nahtart abhängig: Er reicht in Tabelle 24 von 0 % (EXC1) bis 20 % (EXC3). Für EXC4 nennt die Tabelle keinen Wert — dort wird der Umfang je Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen.
Ausgabestand: Aktuell gilt DIN EN ISO 17635:2025-08. Sie ersetzt DIN EN ISO 17635:2017-04, die deutsche Übernahme von ISO 17635:2016. Die fachlichen Angaben auf dieser Seite folgen der Fassung 2016/2017; den Abgleich mit der Ausgabe 2025 ziehen wir nach, sobald uns der Normtext vorliegt.
VT ist immer Pflicht
Unabhängig von der EXC-Klasse müssen 100% aller Schweißnähte visuell geprüft werden. Zusätzliche NDT-Verfahren (UT, RT) kommen ab EXC2 hinzu. Welche Angaben der Prüfbericht der Sichtprüfung enthält, steht im Sichtprüfprotokoll nach ISO 17637 — mit ausgefülltem Muster.
NDT-Prüfverfahren im Detail
Fünf Hauptverfahren für die zerstörungsfreie Prüfung von Schweißverbindungen
Grundlegende Sichtprüfung der Schweißnahtoberfläche mit bloßem Auge oder Lupe
Prüfumfang
100% bei allen EXC-Klassen (immer Pflicht)
Typische Fehlerarten
Oberflächenfehler, Risse, Poren, Einbrandkerben, Nahtüberhöhung
✓ Vorteile
- Schnell
- Günstig
- Keine Ausrüstung nötig
- Sofortige Ergebnisse
⚠ Einschränkungen
- Nur Oberfläche
- Subjektiv
- Erfahrung erforderlich
Farbstoff dringt in Oberflächenrisse ein und wird sichtbar gemacht
Prüfumfang
Stichproben, vor allem für nicht-magnetisierbare Werkstoffe
Typische Fehlerarten
Feine Oberflächenrisse (auch in Aluminium, Edelstahl)
✓ Vorteile
- Sehr empfindlich für Risse
- Auch für Nicht-Stahl
- Visuell eindeutig
⚠ Einschränkungen
- Nur Oberfläche
- Reinigung nötig
- Zeitaufwendig
Magnetfeld wird angelegt, Eisenpulver zeigt Risse durch Streufeld
Prüfumfang
Stichproben für ferromagnetische Werkstoffe (Stahl)
Typische Fehlerarten
Oberflächenrisse und oberflächennahe Fehler in Stahl
✓ Vorteile
- Sehr empfindlich
- Schnell
- Auch oberflächennah
⚠ Einschränkungen
- Nur ferromagnetische Werkstoffe
- Stromquelle nötig
- Entmagnetisierung nötig
Ultraschallwellen werden eingebracht, Reflexionen zeigen innere Fehler
Prüfumfang
10-100% je nach EXC-Klasse
Typische Fehlerarten
Bindefehler, Schlackeneinschlüsse, Risse im Nahtinneren
✓ Vorteile
- Innere Fehler
- Keine Strahlung
- Sofortige Auswertung
- Dicken > 8 mm
⚠ Einschränkungen
- Erfahrung erforderlich
- Kopplungsmittel nötig
- Geometrie-abhängig
Röntgen- oder Gammastrahlung durchdringt Naht, Film/Detektor zeigt Fehler
Prüfumfang
10-100% je nach EXC-Klasse
Typische Fehlerarten
Poren, Schlackeneinschlüsse, Bindefehler, Risse
✓ Vorteile
- Sehr genaue Fehlerdarstellung
- Dokumentierbar (Film/Digital)
- Alle Materialien
⚠ Einschränkungen
- Teuer
- Strahlung (Sicherheit)
- Zeitaufwendig
- Zugang von zwei Seiten
Prüfumfang nach EXC-Klasse
Je höher die Ausführungsklasse, desto umfangreicher die Prüfpflicht
VT (Visuell)
100%
NDT (UT/RT)
0% (keine)
Bewertungsgruppe
D
Nur visuelle Prüfung ausreichend. Für unkritische Konstruktionen (z.B. Geländer, einfache Rahmen).
Typisch: Landwirtschaftliche Hallen, Industrietore
VT (Visuell)
100%
NDT (UT/RT)
10 % Stumpf-/Kreuzstoß, 5 % T-Stoß
Bewertungsgruppe
C
Tabelle 24 staffelt nach Nahtart: Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß 10 %, im T-Stoß 5 %, dicke Quer-Kehlnähte 5 %, kleinere und sonstige Längsnähte 0 %. Das Prüfverfahren (UT, RT, MT, PT) wählt die Schweißaufsicht nach 12.4.2.6.
Typisch: Bürogebäude, Lagerhallen, Wohnbauten
VT (Visuell)
100%
NDT (UT/RT)
20 % Stumpf-/Kreuzstoß, 10 % T-Stoß
Bewertungsgruppe
B
In EXC3 verdoppeln sich die Sätze der Tabelle 24 gegenüber EXC2; kleinere Quer-Kehlnähte und sonstige Längsnähte liegen bei 5 %. Ein höherer Umfang ist möglich, wenn die Ausführungsspezifikation ihn festlegt.
Typisch: Brücken, Industriebauten, hohe Gebäude
VT (Visuell)
100%
NDT (UT/RT)
je Naht festgelegt
Bewertungsgruppe
B+
Tabelle 24 hat keine EXC4-Spalte: Der Umfang wird je identifizierter Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt (12.4.2.3) und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen.
Typisch: Offshore-Strukturen, Krananlagen, Erdbebenzonen
Bewertungsgruppen B/C/D nach ISO 5817
Definieren, welche Fehlergrößen zulässig sind
Risse (100) und Endkraterrisse (104) sind in allen drei Gruppen unzulässig — die Gruppen unterscheiden sich bei den Größenwerten, nicht bei der Frage, ob ein Riss durchgehen darf. Alle Zeilen der Tabelle 1 und die Bewertungsregeln stehen auf der Seite zu DIN EN ISO 5817.
Max. Fehler
Größte Grenzwerte der drei Gruppen
Anwendung
EXC1 — nach EN 1090-2 §7.6.1, außer zu kleine Kehlnahtdicke (5213): Gruppe C
Beispiel: Oberflächenpore d ≤ 0,3 s, max. 3 mm; innenliegender Bindefehler als kurze Unregelmäßigkeit h ≤ 0,4 s, max. 4 mm; Einbrandkerbe h ≤ 0,2 t, max. 1 mm
Max. Fehler
Engere Grenzwerte, mehrere Unregelmäßigkeiten unzulässig
Anwendung
EXC2 — außer Schweißgutüberlauf (506), Zündstelle (601) und offener Endkraterlunker (2025): Gruppe D, und zu kleine Kehlnahtdicke (5213): Gruppe B
Beispiel: Oberflächenpore d ≤ 0,2 s, max. 2 mm; Bindefehler nicht zulässig; Einbrandkerbe h ≤ 0,1 t, max. 0,5 mm
Max. Fehler
Engste Grenzwerte; kann Schleifen oder WIG-Glätten verlangen
Anwendung
EXC3 durchgängig; EXC4 mindestens wie EXC3
Beispiel: Oberflächenpore nicht zulässig; Bindefehler nicht zulässig; Einbrandkerbe h ≤ 0,05 t, max. 0,5 mm
Prüfplanung in 6 Schritten
So erstellen Sie einen normkonformen NDT-Prüfplan
Ausführungsklasse bestimmen
Projekt-EXC-Klasse aus statischer Berechnung oder Leistungsverzeichnis entnehmen (EXC1-EXC4).
Kritisch: Falsche EXC-Klasse = falscher Prüfumfang = Audit-Risiko
Bewertungsgruppe je Naht festlegen
EN 1090-2:2018 ordnet die Bewertungsgruppen nach ISO 5817 in Abschnitt 7.6.1 den Ausführungsklassen zu — mit Abweichungen für einzelne Unregelmäßigkeiten.
Kritisch: Die Bewertungsgruppe ist der Annahmemaßstab, nicht der Prüfumfang — beides wird oft verwechselt
Prüfumfang nach Nahtart bestimmen
Tabelle 24 staffelt den ergänzenden ZfP-Umfang nach Nahtart und Ausführungsklasse: 0 %, 5 %, 10 % oder 20 %. Die Sichtprüfung liegt immer bei 100 % und zählt nicht in diese Prozentwerte hinein.
Kritisch: Für EXC4 nennt die Tabelle keinen Wert — der Umfang wird je Naht festgelegt und muss mindestens dem EXC3-Wert entsprechen
Prüfverfahren auswählen
UT oder RT je nach Zugänglichkeit, Dicke, Geometrie. UT für Dicken > 8 mm, RT für komplexe Geometrien.
Kritisch: RT benötigt Zugang von zwei Seiten, UT nur von einer
Prüfplan erstellen
Dokumentieren: Welche Nähte, welches Verfahren, wann, durch wen. Prüfplan vor Schweißbeginn festlegen.
Kritisch: Nachträgliche Änderungen können Verzögerungen verursachen
Prüfung durchführen
Qualifiziertes Personal (NDT Level 2/3 nach ISO 9712) führt Prüfung durch.
Kritisch: Unqualifiziertes Personal = ungültige Prüfergebnisse
Häufige Fehler bei NDT-Prüfung
Keine VT vor NDT
Direkt UT/RT ohne vorherige visuelle Prüfung. Folge: Offensichtliche Oberflächenfehler bleiben unentdeckt, obwohl sie mit VT sofort sichtbar wären. Kostenrisiko: Unnötige NDT-Kosten.
Prüfumfang falsch berechnet
10% auf einzelne Nähte statt auf Gesamtlänge bezogen. Beispiel: 100 Nähte à 1 m = 100 m total. 10% = 10 m, nicht 10% pro Naht (= 10 m).
Falsche Bewertungsgruppe angewendet
EXC3-Projekt mit Bewertungsgruppe C statt B bewertet. Fehler werden durchgelassen, die nicht zulässig sind. Bei Audit: Sofortige Abweichung.
Keine Dokumentation der Prüfergebnisse
NDT durchgeführt, aber keine Prüfberichte archiviert. Bei Audits nicht nachweisbar. Folge: Prüfung muss wiederholt werden.
Unqualifiziertes Prüfpersonal
VT von Schweißer selbst durchgeführt, nicht von unabhängigem Prüfer. UT/RT von Personal ohne ISO 9712-Zertifikat. Prüfergebnisse ungültig.
Häufige Fragen zu EN ISO 17635
Kommt auf die Anwendung an. UT: Schneller, günstiger, keine Strahlung, gut für Dicken > 8 mm, nur eine Seite Zugang nötig. RT: Genauer, bessere Fehlerdarstellung, dokumentierbar (Film), aber teurer und langsamer, benötigt Zugang von zwei Seiten. Für Standardstahlbau (EXC2/3): UT ausreichend. Für kritische Anwendungen: RT bevorzugt.
VT: Qualifizierter Schweißfachmann oder Schweißaufsichtsperson. PT/MT/UT/RT: Nur Personal mit ISO 9712-Zertifizierung Level 2 (Prüfung durchführen) oder Level 3 (Prüfung freigeben). Ohne Zertifikat sind Prüfergebnisse ungültig.
Die 10 % beziehen sich auf die Gesamtlänge der betroffenen Nahtart — in EXC2 also auf die Quer-Stumpfnähte im Stumpf- und Kreuzstoß, nicht auf alle Nähte des Bauteils. Beispiel: 50 solcher Nähte à 2 m = 100 m, davon 10 m prüfen, statistisch verteilt (z. B. 10× 1 m). Für andere Nahtarten gelten die eigenen Sätze der Tabelle 24.
Fehler nach ISO 5817 bewerten (Gruppe B/C/D). Falls unzulässig: Naht muss nachgearbeitet werden (Ausschleifen + Nachschweißen). Nach Reparatur: Erneute 100% VT + NDT an der reparierten Stelle. Wenn Fehlerrate > 10%: Prüfumfang auf 100% erhöhen.
VT kann intern durchgeführt werden, wenn Sie qualifiziertes Personal haben (Schweißfachmann IWE/IWT/IWS). Wichtig: VT muss von unabhängiger Person durchgeführt werden, nicht vom Schweißer selbst. UT/RT: Meist externe Prüffirma günstiger, da Geräte teuer sind.
VT: 5-10 min/Meter. PT: 30-60 min/Meter (inkl. Reinigung). MT: 20-40 min/Meter. UT: 10-20 min/Meter. RT: 1-2 h/Meter (inkl. Filmentwicklung oder digitale Auswertung). Plus: Vorbereitung, Auswertung, Berichtserstellung.
Visuell ja — die Sichtprüfung erfasst nach EN 1090-2 §12.4.2.3 alle Nähte über ihre gesamte Länge. Für die ergänzende ZfP staffelt Tabelle 24 nach Nahtart: Quer-Kehlnähte mit a > 12 mm oder t > 30 mm liegen bei 5 % (EXC2) beziehungsweise 10 % (EXC3), kleinere Quer-Kehlnähte bei 0 % (EXC2) und 5 % (EXC3). Einen 100-%-Wert kennt die Tabelle nicht. Bei Kehlnähten sind UT und RT geometriebedingt oft schwierig, daher werden meist MT oder PT gewählt — die Methode bestimmt die Schweißaufsicht nach §12.4.2.6.
VT: 5-15 EUR/Meter. PT: 20-40 EUR/Meter. MT: 30-50 EUR/Meter. UT: 50-100 EUR/Meter. RT: 150-300 EUR/Meter. Plus: Anfahrt, Prüfbericht, ggf. Gerätemiete. Für EXC2-Projekt mit 100 m Nähten (10% = 10 m UT): ca. 500-1000 EUR.