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EXC3 nach EN 1090-2: alle Anforderungen auf einen Blick
Schnellauswahl für Stahlbau-Betriebe in Ausführungsklasse 3
EXC3 verlangt gegenüber EN 1090-2 Ausführungsklasse 2 eine deutlich schärfere WPS-, WPQR- und Dokumentationsstruktur. Diese Hub-Seite bündelt die EXC3-Pflichten aus EN 1090-1 und EN 1090-2 — die ausführlichen technischen Regeln finden Sie auf der Hauptseite zu EN 1090-2.
Wichtig für die Audit-Vorbereitung
EXC3 wird nicht automatisch vom Tragwerksplaner gesetzt — sie ergibt sich aus Konsequenzklasse (in der Regel CC2 oder höher), Beanspruchung und Bauteil. Eine pauschale Festlegung „alles EXC3“ ist fachlich falsch und erzeugt unnötigen Aufwand.
Inhaltsverzeichnis
Was ist EXC3?
EXC3 (Execution Class 3) ist die zweithöchste Ausführungsklasse in EN 1090-2:2018+A1:2024. Sie gilt für tragende Stahlbauteile mit erhöhten Anforderungen an Qualitätssicherung, zerstörungsfreie Prüfung und Dokumentation — typisch für Brücken, Kranbahnen und ermüdungsbeanspruchte Tragwerke.
Wann EXC3?
EXC3 wird vom Tragwerksplaner festgelegt — abhängig von Konsequenzklasse (CC), Schadensfolge und Ermüdungsbeanspruchung. Im Stahlhochbau ist EXC3 nicht Standard, sondern Ausnahme (z. B. bei dynamisch belasteten Bauteilen oder in Erdbebenzonen).
EXC4 nennt Tabelle 24 keine festen Prozentsätze — der Prüfumfang wird je Naht in der Ausführungsspezifikation festgelegt und muss mindestens den EXC3-Werten entsprechen (12.4.2.3). EXC3 ist die Klasse, in der die Norm konkrete Prozentsätze pro Nahtart vorgibt.
EXC3 vs. EXC2 — die vier wichtigsten Unterschiede
Wer EXC3 hört, denkt oft zuerst an „mehr Aufwand“. Diese Übersicht zeigt, wo EXC3 tatsächlich zusätzliche Pflichten gegenüber EXC2 mit sich bringt.
ZfP-Stichprobenumfang verdoppelt sich
EN 1090-2:2018+A1:2024 Tabelle 24 nennt für EXC3 die doppelten Sätze gegenüber EXC2 (20 % statt 10 % bei Quer-Stumpfnähten, 10 % statt 5 % bei T-Stößen und dicken Quer-Kehlnähten). Die Sichtprüfung bleibt unverändert an allen Nähten über die volle Länge.
Verfahrensqualifikation für jede WPS — keine pWPS als Ersatz
EXC3 verlangt für jede WPS ein qualifiziertes Schweißverfahren — in der Regel über eine Verfahrensprüfung (WPQR) nach ISO 15614-1; EN 1090-2 Tabelle 12 lässt daneben auch ISO 15613 (vorgezogene Arbeitsprüfung) und ISO 15612 (Standard-Schweißverfahren, mit Freigabe in der Ausführungsspezifikation) zu. Eine pWPS (vorläufige Schweißanweisung) ist nur der Entwurf für die Verfahrensprüfung und ersetzt die Qualifikation nicht — auch nicht in EXC2.
Rückverfolgbarkeit ab Werkseingang
EN 1090-2 Klausel 5.2 verlangt ab EXC3 lückenlose Chargenzuordnung vom Wareneingang bis zum fertigen Bauteil. In EXC2 genügt die Rückverfolgbarkeit auf Bauteilebene, in EXC3 muss jedes Blech und jeder Schweißzusatz einem konkreten Bauteil zuordenbar sein.
Höheres Anforderungsniveau der Schweißaufsicht
EN 1090-2 Tabelle 14 verlangt in EXC3 für S235–S355 mindestens technisches Wissen nach Stufe S (spezifisch), ab 25 mm Blechdicke Stufe C (umfassend). In EXC2 genügt für dieselben Güten Stufe B (basis).
EXC3-Pflichten im Überblick
Diese vier Bereiche muss ein EXC3-Stahlbau-Betrieb verlässlich abdecken — von der WPS über die Schweißaufsicht bis zur Chargenmatrix.
Typische EXC3-Bauteile im Stahlbau
Die folgende Auswahl ist nicht abschließend — sie zeigt die Bauteilgruppen, in denen EXC3 in der Praxis am häufigsten anzutreffen ist.
EXC3 im Audit bestehen
Vier Punkte, die Auditoren bei EXC3-Betrieben besonders prüfen — bereiten Sie diese Belege vor jedem Audit vor.
Tab. 24-Stichprobenumfang im Audit vorlegen können
Auditoren fragen gezielt nach: Wie wurde der EXC3-Stichprobenumfang je Nahtart ermittelt? Antwort: nach EN 1090-2 Tabelle 24, gestaffelt je Nahtart (Stumpfnaht, T-Stoß, Quer-Kehlnaht).
WPQR-Geltungsbereich je WPS zeigen
Auditoren prüfen, ob die WPQR den Geltungsbereich der WPS (Materialgruppe, Dicke, Position) abdeckt. Bei pWPS-Bezug in EXC3 → kritischer Befund.
Rückverfolgbarkeit lückenlos dokumentieren
Auditoren lesen Materialzeugnisse (3.1 ab S355 nach EN 10204 Tabelle 1), Schweißzusatz-Chargen, WPS- und Schweißer-Zuordnung pro Naht. Chargenmatrix bereithalten.
Schweißaufsicht-Nachweis nach Tabelle 14
Diplom (IWS/IWT/IWE) plus Tabelle 14-Zuordnung (B/S/C) bereithalten. Auditor prüft: passt die Qualifikation zu EXC3, Stahlsorte und Blechdicke?
Häufig gestellte Fragen zu EXC3
Drei Punkte schlagen am stärksten durch: (1) Vollständige WPQR-Pflicht — pWPS nach ISO 15609-1 reicht in EXC3 nicht mehr aus. (2) Rückverfolgbarkeit ab Werkseingang (Klausel 5.2). (3) Verdoppelte ZfP-Stichprobenumfänge je Nahtart nach Tabelle 24.
ISO 9606-1 mit Geltungsbereich passend zu WPQR und WPS (Verfahren, Werkstoffgruppe, Dicke, Position, Nahttyp). In EXC3 muss die Halbjahres-Bestätigung nach Section 9.2 lückenlos geführt werden, sonst erlischt die Qualifikation.
EN 1090-2:2018 Tabelle 1 ist nicht nach Ausführungsklasse gestaffelt, sondern nach Stahlsorte. Strukturstahl bis S275 = 2.2, ab S355 = 3.1. Ab EXC3 kommt die lückenlose Chargenzuordnung nach Klausel 5.2 hinzu — also: nicht das Zeugnis wechseln, sondern die Zuordnung dokumentieren.
Nach EN 1090-2:2018+A1:2024 Tabelle 24 (gestaffelt nach Nahtart): Quer-Stumpfnähte in Stumpf- und Kreuzstoß 20 %, im T-Stoß 10 %, Quer-Kehlnähte mit a > 12 mm oder t > 30 mm 10 %, kleinere Quer-Kehlnähte und sonstige Längs- und Steifennähte 5 %. Die Sichtprüfung erfolgt zusätzlich an allen Nähten über die volle Länge. Vollständige Tabelle 24: EN 1090-2-Hauptseite.
EN 1090-2 Tabelle 14 verlangt in EXC3 für S235–S355 mindestens Stufe S (spezifisch) nach ISO 14731 — nachgewiesen üblicherweise durch IWT. Ab 25 mm Blechdicke Stufe C (umfassend), nachgewiesen durch IWE. In EXC2 genügt für dieselben Güten Stufe B (IWS).
Nein — WPS sind produkt-/verfahrensbezogen, nicht projektbezogen. Eine WPS kann für mehrere Projekte gelten, solange Materialgruppe, Dicke, Position und Verfahren zum Geltungsbereich des WPQR passen. Pflege: WPS-Bibliothek mit klarem Geltungsbereich und Versionshistorie.
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